Sturmwarnung Bodensee: Lichter, Stufen und Verhalten (2026)
Orange Blinklichter am Ufer warnen vor Starkwind und Sturm. Hier steht, was 40 und 90 Blitze pro Minute bedeuten, wo die Leuchten stehen, was du tun musst und wo du aktuelle Warnungen abrufst.
Auf dem Bodensee kann der Wind innerhalb kurzer Zeit drehen und stark zunehmen. Deshalb blinken rund um den See orangefarbene Leuchten. Sie zeigen zwei Stufen an: Starkwind und Sturm. Wer sie nicht kennt, erkennt die Gefahr zu spät.
Dieser Ratgeber erklärt die beiden Signale, die Warnregionen und die Standorte der Leuchten. Du erfährst, wer den Sturmwarndienst betreibt, was die Bodensee-Schifffahrts-Ordnung (BSO) von Schiffsführern verlangt und wie du aktuelle Warnungen auf dem Handy bekommst. Stand: Oktober 2026.
Das Wichtigste in Kürze
- Etwa 40 orangefarbene Blitze pro Minute bedeuten Starkwindwarnung (Böen von 25 bis 33 Knoten), etwa 90 Blitze pro Minute bedeuten Sturmwarnung (Böen ab 34 Knoten).1
- Rund um den See stehen 43 Sturmwarnleuchten. Von jedem Punkt des Sees ist mindestens eine sichtbar.2
- Gewarnt wird nur von 6 bis 22 Uhr (1. April bis 31. Oktober) bzw. von 7 bis 20 Uhr (1. November bis 31. März).3
- Schon bei Starkwindwarnung muss der Schiffsführer die nach den Umständen gebotenen Maßnahmen treffen (Art. 6.13 Abs. 4 BSO).1
- Aktuelle Warnungen zeigen die Webseite des Deutschen Wetterdienstes und die WarnWetter-App.4
Die zwei Stufen: 40 und 90 Blitze pro Minute
Die Signale sind in Anlage B Buchstabe H der BSO festgelegt. Es gibt genau zwei Stufen, beide mit orangefarbenen Blinklichtern. Sie unterscheiden sich nur in der Blinkfrequenz.1
| Stufe | Signal | Bedeutung |
|---|---|---|
| Starkwindwarnung (Anlage B H.1) | ca. 40 Blitze pro Minute | Starke Windböen zwischen 25 und 33 Knoten (ab Beaufort 6) |
| Sturmwarnung (Anlage B H.2) | ca. 90 Blitze pro Minute | Windböen von 34 Knoten und mehr (Beaufort 8 und größer) |
Starkwindwarnung: etwa 40 Blitze pro Minute
Das Licht blinkt etwa 40 Mal in der Minute, also etwa alle eineinhalb Sekunden. Es macht auf die Gefahr starker Böen aufmerksam.3 Bei dieser Stufe ist der Wind noch kein Sturm, aber kleine Boote, Boards und Segeljollen geraten schnell an ihre Grenze. Empfohlen wird, das Ufer aufzusuchen, die Schwimmweste anzulegen, die Wetterlage zu beobachten und keine Seeüberquerungen zu beginnen.5
Sturmwarnung: etwa 90 Blitze pro Minute
Das Licht blinkt etwa 90 Mal in der Minute, also eineinhalb Mal pro Sekunde und damit deutlich hektischer. Es kündigt Sturmwinde an.3 Bei dieser Stufe lautet die Empfehlung, den See so schnell wie möglich zu verlassen.5
Warum "ca."?
Die BSO nennt beide Werte mit "ca.". Zähle nicht mit der Stoppuhr: Ein ruhiges Blinken bedeutet Starkwind, ein schnelles Flackern bedeutet Sturm.1
Warnregionen und Warnzeiten
Drei Warnregionen
Der Bodensee ist in drei Warnregionen eingeteilt: West, Mitte und Ost. Sie können unterschiedliche Signale zeigen.3 Die Grenzen verlaufen entlang der Linien Konstanz-Meersburg und Arbon-Langenargen. Westlich davon liegen Überlinger See und Untersee, östlich der Ostteil.6 Achte also auf die Leuchten in deiner Region, nicht nur auf die, die du zuerst siehst.
Nur zu festen Zeiten
Der Warndienst arbeitet nicht rund um die Uhr:
- 1. April bis 31. Oktober: 6 bis 22 Uhr
- 1. November bis 31. März: 7 bis 20 Uhr3
Außerhalb dieser Zeiten wird nicht gewarnt. Dunkle Leuchten nachts oder im Winter heißen deshalb nicht, dass es windstill ist. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes wird bei Großveranstaltungen auch länger signalisiert, bis 24 Uhr oder die ganze Nacht.7
Warnung mit Vorlauf
Der Dienst warnt vorausschauend, etwa eine Stunde, bevor die Schwellenwerte erreicht werden.7 Das ist die Zeit, die du zum Ufer brauchst. Warte nicht, bis der Wind da ist.
Wo die Sturmwarnleuchten stehen
Es sind 43 Leuchten, und sie sind so verteilt, dass von jedem Punkt des Sees mindestens eine zu sehen ist.2 Im Bodenseekreis allein stehen 13 davon zwischen Sipplingen und Kressbronn.8 Ein Verzeichnis nennt diese Standorte:2
Allensbach, Arbon, Argenmündung, Bodman, Bottighofen, Bregenz, Dingeldorf, Egnach, Eriskirch, Ermatingen, Eschenz, Fischbach, Friedrichshafen, Goldach, Güttingen, Hagnau, Hard, Horn, Hornstaad, Immenstaad, Konstanz (BSB-Hafen), Konstanz (Eichhorn), Kressbronn, Langenargen, Lindau, Mainau, Meersburg, Reichenau (Bürglehorn), Reichenau (Mittelzell), Radolfzell, Reutin, Rheinspitz, Rohrspitz, Romanshorn, Rorschach, Seemoos, Sipplingen, Steckborn, Überlingen, Unteruhldingen, Uttwil, Wangen, Wasserburg.
Die Standorte liegen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.2 Eine Karte mit den Warnregionen findest du auf der Seite des Deutschen Wetterdienstes.4 Die Zahl der Leuchten wird in Quellen unterschiedlich genannt, der DWD-Fachartikel von 2024 spricht von 30 installierten Leuchten.7 Verlass dich im Zweifel auf das, was du am Ufer siehst.
Wer den Sturmwarndienst betreibt
Den Dienst betreiben die drei Anrainerstaaten gemeinsam, aber nicht jeder für sich.
Deutschland und Österreich
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) führt den Sturmwarndienst mit der regionalen Wetterberatung Stuttgart in Zusammenarbeit mit MeteoSchweiz.4 Seit 2024 koordiniert der DWD-Standort Stuttgart die Steuerung der Lampen auf deutscher und österreichischer Seite.7 Zuvor wurden die deutschen und österreichischen Leuchten laut einem Pressebericht von Konstanz aus geschaltet, nachdem die Wasserschutzpolizei die Meldung erhalten hatte.8
Schweiz
Die Schweizer Anlagen liegen bei der Notrufzentrale in Frauenfeld.8 Die Seepolizei des Kantons Thurgau gibt dazu ein eigenes Merkblatt heraus.3
Warnung und Entscheidung
Die Entscheidung über eine Warnung fällt gemeinsam: Der DWD und MeteoSchweiz treffen sie in gegenseitiger Absprache.7
Pflichten nach der BSO
Die Sturmwarnung ist keine bloße Empfehlung. Die BSO nimmt sie ausdrücklich auf: Bereits bei Starkwind- und Sturmwarnung muss der Schiffsführer die durch die Umstände gebotenen Maßnahmen treffen (Art. 6.13 Abs. 4 BSO). Dabei verweist die Vorschrift auf Art. 1.03 und 1.04.1
- Art. 1.03 BSO (allgemeine Sorgfaltspflicht): Schiffsführer müssen über die Vorschriften hinaus alle Vorsichtsmaßnahmen treffen, die Sorgfalt und Praxis der Schifffahrt gebieten, etwa um die Gefährdung von Menschen zu vermeiden.1
- Art. 1.04 BSO (Verhalten unter besonderen Umständen): Bei unmittelbar drohender Gefahr müssen sie alle Maßnahmen treffen, die die Umstände gebieten, auch wenn sie dafür von den Vorschriften der BSO abweichen müssen.1
Die BSO schreibt nicht vor, ab welcher Stufe du zwingend im Hafen sein musst. Sie verlangt, dass du angemessen reagierst. Was angemessen ist, hängt von Boot, Besatzung, Entfernung zum Ufer und Wetterlage ab. Das ist keine Rechtsberatung. Bei Schäden oder Unfällen entscheiden Behörden und Gerichte im Einzelfall.
Dazu kommt ein finanzielles Risiko: Wer die Warnleuchten ignoriert und in Seenot gerät, kann nach einem Pressebericht zur Finanzierung von Rettungseinsätzen herangezogen werden.8
Richtiges Verhalten für Segler, Paddler und Schwimmer
Motorboot und Segelboot
Besatzungen von Sportbooten sollen bei Sturmwarnung unverzüglich Sicherheitsmaßnahmen treffen und Rettungsgerät bereithalten.9 Praktisch heißt das: Segel reffen oder bergen, Schwimmwesten anlegen, Kurs auf den nächsten sicheren Hafen nehmen, Ausguck halten.
SUP, Kanu und Kajak
Wenn die Sturmwarnleuchten orange blinken, solltest du ans Ufer zurückkehren. Gerade mit dem Board ist es schwer, gegen den Wind anzupaddeln.10 Wer sich weiter als 300 Meter vom Ufer entfernt, muss Rettungsmittel mitführen oder tragen.11
Schwimmer
Das Tourismusportal des Sees empfiehlt für alle Wassersportler: Bei Wind- oder Sturmwarnung (orange Blinklichter am Ufer) so schnell wie möglich ans Ufer zurück.12 Als Schwimmer fällst du nicht unter die Pflichten eines Schiffsführers nach der BSO. Die Warnung gilt für dich trotzdem als dringende Empfehlung.
Aktuelle Sturmwarnung abrufen
Du musst nicht am Ufer stehen, um die Lage zu kennen. Diese Wege gibt es:
- Webseite des Deutschen Wetterdienstes: Hier erscheinen die Bodensee-Warnungen, dazu die Aufteilung in die drei Warnregionen.4
- WarnWetter-App des DWD: Die Warnungen werden auch dort angezeigt.4
- Landeswarnzentrale Vorarlberg: Nach der Registrierung kannst du die Sturmwarnung Bodensee Ost abonnieren, laut einem Vereinshinweis aus Bregenz.13
- Die Leuchten selbst: Sie sind das amtliche Signal nach BSO.1
Schau vor jedem Auslaufen aufs Wetter. Die Seepolizei Thurgau betont: Vor dem Auslaufen ist eine seriöse Analyse der Wettersituation vorzunehmen.3 Mehr Zahlen zur Sicherheit auf dem See findest du in den Bodenseeschifferpatent Statistiken.
Bezug zur Prüfung
Die Signale stehen in Anlage B der BSO, die du fürs Bodenseeschifferpatent ohnehin kennen musst.1 Das Landratsamt Bodenseekreis nennt für die Theorieprüfung unter anderem die Sachgebiete Schifffahrtszeichen und Wetterkunde.14 Die Sturmwarnung nennt es dort nicht ausdrücklich. Plane sie trotzdem fest in deine Vorbereitung ein: Frequenz, Windstärke und Stufe zuordnen zu können, gehört zum Grundwissen. Wie die Prüfung abläuft und wann du sie ablegen kannst, steht im Artikel zu den Prüfungsterminen.
Häufige Fragen
Was ist eine Vorsichtsmeldung?
Mit Vorsichtsmeldung ist meist die erste Stufe gemeint, also das Blinken mit etwa 40 Blitzen pro Minute. So heißt dieses Signal auf vielen Schweizer Seen.5 Die BSO nennt es für den Bodensee Starkwindwarnung und kennt daneben nur die Sturmwarnung.1
Gilt die Sturmwarnung auch für Schwimmer und SUP?
Rechtlich bindend für Schiffsführer ist sie über Art. 6.13 Abs. 4 BSO. Ein SUP gilt als Fahrzeug im Sinne der BSO, wenn es mit Muskelkraft angetrieben wird.11 Für Schwimmer ist sie eine dringende Sicherheitsempfehlung.12 In der Praxis gilt für alle: raus aus dem Wasser.
Wie viele Leuchten blinken, wenn gewarnt wird?
Das hängt von der Region ab. Der See hat drei Warnregionen, und sie können unterschiedliche Signale zeigen.3 Es kann also im Westen blinken und im Osten nicht.
Wird nachts gewarnt?
Im Regelfall nicht. Die Warnzeiten enden im Sommerhalbjahr um 22 Uhr und im Winterhalbjahr um 20 Uhr.3 Bei Großveranstaltungen wird länger signalisiert.7 Ohne Signal heißt es also nie: kein Wind.
Was ist der Unterschied zwischen Starkwind und Sturm in Knoten?
Starkwind steht für Böen zwischen 25 und 33 Knoten, Sturm für Böen ab 34 Knoten.1
Quellen
Die Angaben stammen aus dem Text der Bodensee-Schifffahrts-Ordnung, von Behörden und aus Presse und Verbandsseiten. Rechtliche Details prüfst du im aktuellen BSO-Text.
- Schweizerischer Bundesrat: Bodensee-Schifffahrts-Ordnung (BSO), SR 747.223.1 (fedlex.admin.ch)
- Deutsche Leuchtfeuer: Sturmwarnfeuer am Bodensee (deutsche-leuchtfeuer.de)
- Kantonspolizei Thurgau, Seepolizei: Sturmwarndienst am Bodensee (Stand Januar 2025) (kapo.tg.ch)
- Deutscher Wetterdienst: Binnensee- und Küstenwarnungen (dwd.de)
- Kanu-Club Konstanz: Sturmwarnung (kanu-club-konstanz.de)
- Landratsamt Bodenseekreis: Sturmwetter (bodenseekreis.de)
- Deutscher Wetterdienst: Der Sturmwarndienst am Bodensee, Blinklichter, die Leben retten (3. April 2024) (wetterdienst.de)
- Schwäbische Zeitung: Bodensee-Gewitter, so funktioniert die Sturmwarnung (schwaebische.de)
- Bodensee-Segler-Verband: Sturmwarndienst Bodensee (bsvb.info)
- Schwäbische Zeitung: Diese Regeln gelten für alle Stand-up-Paddler im Bodensee (schwaebische.de)
- Landratsamt Bodenseekreis: Stand-up-Paddeln (bodenseekreis.de)
- Bodensee-Tourismus: Verhaltensregeln für Wassersport am Bodensee (bodensee.de)
- Ruderverein Wiking Bregenz: Wichtige Links und Apps (rv-wiking.at)
- Landratsamt Bodenseekreis: Schifferpatentprüfung (bodenseekreis.de)
Der Trainer kommt bald
Trag dich ein, dann sagen wir dir Bescheid, sobald du mit allen Fragen üben kannst.